Sonntag, 30. September 2007

Kongo-Müller erwache!


Eine der Erfahrungen, die ich immer wieder in Afrika mache ist die des vollen Halses. Irgendwann hat man es satt. Diese Langsamkeit. Diese Bettelei. Diese Unzuverlässigkeit. Dann wird man zynisch. Man sagt und denkt Dinge, über die man sich hinterher erschrickt. Der Rassist schält sich aus der dünnen Hülle der politischen Korrektheit. An diesem Punkt bin ich nun wieder.

Es ist ein bunter Strauss an Unzulänglichkeiten, der mich zur Weißglut bringt. Die bunteste Blume dieses Straußes ist die Polizei, der Quell von Chaos und Unsicherheit. Es gibt eine goldene Regel, nicht anzuhalten, wenn sie es verlangen. Diesen Samstag hat mich diese Regel allerdings in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Claude, Schnuggie und ich waren auf dem großen Markt. An sich schon eine nervenaufreibende Sache. Schnuggie war insbesondere begeistert von der Fleischabteilung. Dieser Ort glich der Hölle. Ich mag meinem Essen nicht ins Gesicht oder in die Gedärme blicken. Noch weniger mag das der Vegetarier.

Aber irgendwann hatten wir den Markt hinter uns. Ich war durchgeschwitzt und schon geladen wie ein Selbstmordattentäter. In diesem Zustand löste der Versuch der Polizei mich aufgrund eines nicht angelegten Sicherheitsgurtes anzuhalten wütende Fluchtversuche aus. Normalerweise eine sinnvolle Option. Doch leider hatten sie dieses Mal einen Jeep mit drei bewaffneten Affen. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd über den Markt wurde ich gestellt. Eine wundervolle Szene bot sich. Schreie, Drohungen, Gewehre, ein schwitzender Weißer in der Mitte, die übliche Nummer. Alte Kongo-Müller Manier. Claude brachte es im Tumult auf den Punkt und raunte mir zu: “Die haben heut noch nix gegessen.”

Also bot ich eine angemessene Zahlung an. Plötzlich beruhigte sich die Situation. Die Kommissarin stieg zu mir ins Auto und wir fuhren weiter. Mit bewaffneter Eskorte. Dreißig Dollar später war die Welt wieder in Ordnung. Ich glaube nur dass mich Claude jetzt in einem anderen Licht sieht. Zum Glück hat er nächsten Sonntag Geburtstag. Dann kauf ich ihm was und er sieht mich wieder so wie vorher.

Das alles wäre Kongo-Müller nicht passiert. Von Kongo-Müller lernen heißt siegen lernen.

Mittwoch, 5. September 2007

MS DOS



Ja Mensch, was für eine Woche bisher. Ich komme überhaupt nicht dazu von meinem letzten Wochenende zu berichten. Papa Noel, ein Arbeitskollege hatte mich auf eine kongelesische Hochzeit eingeladen. Und dieses mal war ich vorbereitet. Kam ich das erste mal noch in Jeans und hatte als Geschenk eine Flasche Schnaps dabei, war ich beim zweiten mal schon etwas besser in Form. Anzug, Krawatte, Wein, Pralinen. Und ich sage nur eins: Gott sei Dank.

Man hätte wohl Schwierigkeiten so ein geiles Haus in Deutschland zu finde. Es gibts derartig reiche Kongelsen, das glaubt man nicht. Riesen Garten mit Pool, über zwei Ebenen, Blick über die Stadt: herrlich. Aber auch hier Stromausfall. Nur in diesen Kreisen genügt ein Anruf und der Strom ist bald wieder da.

Die kongelesische Hochzeit erstreckt sich über mehrere Etappen. Ich war glücklicherweise zum interessantes Teil dazugestoßen. Die große Feier und die Überreichung des Brautpreises, oder Dos, wie man hier sagt. Zwei Ziegen, fünf Hühner und lauter andere Sachen. In diesem Fall handelte es sich wohl eher um einen symbolische Akt, war aber interessant. Das Essen war fantastisch und endlich gab es Rotwein. Dazu spielte eine Band den guten alten kongolesischen Rumba. Hach, der ist fast so gut wie High Life.

Bis zwei Uhr war ich dann dort und war reichlich fertig. Zum Glück wurde mir die angefangene Flasche Wein aufgenötigt. Als ich am Sonntag gegen 12 aufwachte schrie alles nach Pizza. Als schnell mit einem Freund verabredet, noch schnell ein Bierchen kippen und dann ab in die Pizerria. Leider hatten wir die Rechung ohne ein Volleyballmannschaft gemacht, die es sich nicht nehmen ließ uns bis 20 Uhr auf mehrere Runden einzuladen. Wieder nix mit Pizza. Aber satt war ich trotzdem.

Jetzt sitz ich wieder im Büro und kann es kaum erwarten bis mein Engel kommt. Morgen! Am Wochenende ist eine kleine Tour geplant, dazu bald mehr.