Montag, 27. August 2007

Abnehmender Grenznutzen




Ich habe tatsächlich etwas an der Uni gelernt, was mir im täglichen Leben immer wieder vorgeführt wird. Es gab einen Punkt in dem sich Theorie und Wirklichkeit vereinigten. Es ist einfach zu begreifen. Gib einem armen Menschen 10 Dollar und der Nutzen ist enorm. Er wird glücklich sein. Gib die zehn Dollar Bill Gates und der Nutzen ist gleich null. Die zweite Ableitung des Nutzens über das Einkommen ist stark negativ. Abnehmender Grenznutzen: Ich habe das in Afrika gesehen, es ist wahr!

Heute war ein Tag des Lernens. Claude, mein Freund aus dem Kongo hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Nach einer Fahrt über Straßen die diesen Namen nicht verdienen kommen wir an. Mein armes Auto! Hier also wohnen die acht Millionen Einwohner Kinshasas. Das ist die Armut die Afrika uns immer wieder ins Gesicht schreit. Ich höre nichts. Noch nicht. Er gibt mir Essen, er stellt mich seiner Familie vor. Hier nun zur Theorie, vorgeführt am Schicksal eines einzelnen Menschen.

Claude bezahlt 20 Dollar im Monat Miete. Er hat neun Kinder und er verdient 100 Dollar im Monat. Er schämt sich für diese Verhältnisse und versucht alles mich das nicht merken zu lassen. Aber jetzt kommt die Lehrstunde. Mein Freund will bauen. Ihm fehlen 120 Dollar um Zement zu kaufen. Wenn er dieses Geld hat kann er beginnen, die Ziegel, die sich bereits stapeln, zu einem Haus zu verbinden, in dem seine Kinder, er, seine Frau und seine Zukunft wachsen können. Über was reden wir eigentlich? Was ist das Glück eines Menschen wert? 120 Dollar?

Es ist das was ich hier mag. Die Möglichkeit mit wenig viel zu bewirken. Abnehmender Grenznutzen...

Samstag, 25. August 2007

Changement d'Attitude


Neulich wollte mich die Polizei anhalten und kontrollieren. Nun ja, da ich weder Papiere noch sonst was dabei hatte, bin ich einfach weitergefahren. Was wollen die schon machen? Hatten noch nicht mal ein Auto... Hab mir aber jetzt zur eigenen Beruhigung einen Führerschein ausstellen lassen (s. Bild). Im allgemeinen wurde mir aber gesagt, dass die Polizei bei weitem nicht mehr so schlimm ist wie noch vor wenigen Wochen. Ein neuer Bürgermeister hat wohl gut durchgegriffen und jetzt dürfen die niemanden mehr einfach so anhalten. Bin ich froh!

Heute bin ich auf eine Feier eingeladen. Kongolesisch. Muss gleich noch mal auf die Jagd nach einem kleinen Gastgeschenk gehen. Bin aber sehr gespannt. Und morgen will mir Claude sein Haus und seine Familie zeigen. Mit ihm trinke ich meistens nach Feierabend in der Bar gegenüber von meinem Haus noch ein Bierchen.

Die letzten paar Tage hat Hannes bei mir gewohnt. Er ist Praktikant hier bei der GTZ und hat jetzt eine bezahlbare Unterkunft gefunden. War auch nett einen Mitbewohner zu haben. Vorgestern hatten wir uns dann bei der Familie gegenüber von meinem Haus (ich nenne das Bar, aber eigentlich ist das ne Familie die da wohnt und gegen Vorkasse kocht) Fufu bestellt und das war echt der Hammer. Mit Gulasch!

Was auf meiner Arbeit geschieht ist natürlich geheim. Kann ich leider nix sagen...

Samstag, 11. August 2007

Es ist vollbracht!



Gestern war wahrlich ein erfolgreicher Tag. An allen Fronten große Fortschritte. Die Arbeit läuft so langsam an. Nächste Woche meine erste Konferenz, da kann ich erst mal Visitenkarten verteilen. Ich hoffe die sind bis dahin da. Außerdem hab ich so langsam einen Überblick über die Situation hier und weiss, was noch zu tun ist.

Aber die größten Erfolge kann ich eher im privaten Bereich feiern. Endlich bin ich in mein neues Domizil umgezogen. Wow! Die Gegend ist fantastisch, das Haus ist ein Traum und, da das Gelände höher liegt auch viel weniger Moskitos. Einfach genial. Dazu kommt, ich hab gestern mein Auto abgeholt. Mein erstes selbst bezahltes Auto in Afrika! Hatte ganz schön Glück so was vernünftiges zu finden. Man nennt das Occasion Europe und das sind alte Karren, die billig in Europa gekauft werde und dann hier verhökert. Aber mein Nissan ist scheckheftgepflegt, Klimaanlage, Zentralverrieglung und Radio. Was will man mehr? Den werd ich nach den fünf Monaten auch leicht wieder los. Da ich stolz bin wie Oskar, auch gleich zwei Bilder meiner momentanen Situation. Jetzt muss nur noch mein Engel hier runter kommen und alles ist perfekt!

Montag, 6. August 2007

Erste Erfolge


Am Anfang zählen eben noch die kleinen Dinge. Nachdem ich zwei Nächte von Moskitos zerstochen wurde, stand die Beschaffung eines Moskitonetzes, eines mostiqaire oder so, auf dem Pragramm. Allerdings stellte sich die Beschaffung als einfacher heraus als das Aufhängen. Aber nach 1 St. war es geschafft und nachdem ich bisher immer sehr wenig davon gehalten habe, mir so ein Zelt übers Bett zu hängen, bin ich nun größter Fan. Endlich mal eine Nacht durchgeschlafen!

Ansonste hab ich am Samstag noch ein anderes Domizil besucht. Nicht weit von dem Ort, an dem ich jetzt wohne. Aber nur weniger als halb so teuer. Und Blick auf den Fluss. Vielleicht zieh ich dort am Freitag ein, da ich ganz gern noch ein wenig in der Stadt bleiben würde, zumindest bis mein Auto da ist. Der Besuch der potentiellen neuen Herberge war damit auch mein erster Ausflug aus dem Hotel auf eigene Faust. Ich habe es überlebt und bin nun gerüstet für weitere Abenteuer.

So weit so gut, es wartet die erste richtige Arbeitswoche auf mich. Hui!

Samstag, 4. August 2007

Alles nur halb so schlimm


Was hat man mir nicht alles angedroht... Ich hatte eigentlich damit gerechnet direkt am Flughafen ausgeraubt zu werden. Doch weit gefehlt. Alles verlief gesittet. Ich wurde abgeholt und aus purer Freude hab ich den Fahrer und seinen Kollegen vom "Protokoll" gleich auf ein Bier eingeladen. Wurden dann mehrere und das Primus in der Literflasche ist nicht mal schlecht. Momentan wohne ich noch im sogenannten CAP. Ist mir aber auf Dauer zu teuer und außerdem ist die Wasserversorgung mehr als unzuverlässig. Hab seit meiner Ankunft nicht duschen können...

Daher mein großes Projekt. Erst ein Umzug in ein anderes Haus, etwas außerhalb. Dafür mit Pool und allem drum und dran. Außerdem will ich hier ein Auto kaufen. Wie es im Moment aussieht, wird es ein alter E Klasse Mercedes. Den werd ich am ehesten nach den fünf Monaten wieder los. Zum Glück gibt es hier Papa Noel, eine nicht versiegende Quelle guter Informationen. Heute hat er mir sogar ein Moskitonetz geschenkt. Vielleicht kann ich der Malaria nun doch entgehen.

Die Sicherheitslage kann ich kaum einschätzen. Immer wenn ich mein Hotel verlassen will, wollen mich die Wächter begleiten. Und ich gebe zu, ich höre auf sie. Ich denke ich taste mich langsam an den Alltag heran. Lieber Hasenfuß als tot.

Ansonsten natürlich alles in Butter. Arbeit geht sich noch langsam an und nächste Woche hab ich hoffentlich ein paar interessante Termine. Ich hoffe ich kann hier bald aufregendere Abenteuer ablegen. Momentan noch alles tres tranquil...

Bis bald,

Kristian

Mittwoch, 1. August 2007

Man braucht Abschied



Morgen gehts los... Oh mein Gott! Vielen Dank an alle, die Samstag und auch heute meinen Kopf abgefüllt haben und mir so den Abschied erleichtern. Wow! Es geht los!